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02.01.2012

Zur Werkgruppe hairytales, Nina Mößle, cand. Kunstgeschichte

hairytales

Das Haar am falschen Platz. Warum ekeln wie uns vor Haaren, wo sie uns doch alltäglich umgeben? Im wörtlichen Sinne. Unser Körper ist umgeben von Haaren. Sie sind uns viel Zeitaufwand und Geld wert. Wir wollen uns mit ihnen schmücken, uns über sie definieren. Wir hängen an unseren Haaren und sie hängen an uns.
Doch was, wenn sie sich von uns trennen? Warum sind sie dann nicht mehr schön, seidig, kraftvoll und glänzend? Warum verlieren sie plötzlich all die Qualitäten, die wir ihnen zusprechen? Woher kommt dieser Bedeutungswandel und ist er gerechtfertigt?
Ekelhaft! Widerlich! - oder etwa nicht?

In hairytales entführt uns die Darmstädter Künstlerin und Kalligrafin Sabine Hunecke in ihre Welt der Haare und zeigt, dass es auch anders geht. Mittels Fotografie, Zeichnung und Malerei und dem richtigen Auge spielt sie provokant mit Ekel und Ästhetik und scheint diesen unüberwindbaren Gegensatz letztendlich aufzulösen. Zurück bleiben zeitlose, poetische Momente, festgehalten in diesem einen Augenblick, der ewig anzudauern scheint. Ihre Arbeiten bewirken im Betrachter ein Gefühl einer sanften harmonischen Stille, die die Welt drumherum wie im Zeitraffer erscheinen lässt.

Die Künstlerin schafft es mittels ihrer Arbeiten überzeugend ihre eigene Begeisterung auf den Betrachter zu übertragen und ihn mitzunehmen. Dies ist das Ergebnis einer langjährigen künstlerischen Auseinandersetzung mit dem Thema. Ausgangspunkt war natürlich ein Haar am falschen Ort, das, als es vor dem Auge der Künstlerin vom Badezimmerspiegel auf den Waschbeckenrand fiel, nicht den zu erwartenden Ekel evozierte, sondern in seiner perfekten linienhaften Struktur genau die Faszination hervorrief, die Hunecke seitdem nicht mehr loslässt. Haare bilden Linien, sie biegen sich und brechen doch nie. Sie gleichen in ihrer Form von der dicken Wurzel bis zur feinen Spitze dem Federstrich der Kalligrafin. Sie verbinden in ihrer organischen Struktur Grafik und Poetik. Die lineare Ästhetik der Haarstruktur und die Banalität dieses so vielseitigen Themas, das unmittelbar assoziativ auf uns einwirkt bilden neben der Ausgangsfrage nach dem Ekel den Kern dieser faszinierenden Ausstellung.

cand. Kunstgeschichte Nina Mößle



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